EMS beim Pferd: Symptome, Ursachen und Behandlung

Falsche Ernährung, unzureichende Bewegung, ungesunde Gewohnheit, Stress: Immer mehr Menschen leiden heute unter Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Demenz. Auch Pferde sind mehr und mehr von sogenannten Zivilisationskrankheiten betroffen. Ein besonders verbreitetes Leiden ist das Equine Metabolische Syndrom (EMS). Bei EMS handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die vor allem bei übergewichtigen Pferden beobachtet wird. Bleibt EMS unbehandelt, können Pferde eine lebensbedrohliche Hufrehe entwickeln. Mit einer schnellen und konsequenten Futterumstellung, viel Bewegung und ausreichend Liebe lässt sich EMS heute jedoch gut behandeln.

Tägliche lange Märsche über karge, nährstoffarme Weiden, stets auf der Suche nach frischem Futter – so lebten viele der Vorfahren heutiger Pferde. Selbst nach der Domestizierung durch den Menschen mussten sich viele Equiden ihr tägliches Mahl als Zug- und Lastentiere mühsam erarbeiten. Erst seit wenigen Jahrzehnten leben Pferde zumeist komfortabel. Energiereiches Futter ist oft im Überfluss vorhanden und sonnengereifte, satte Weiden bieten Nährstoffe in Hülle und Fülle.

So wundert es nicht, dass immer mehr Pferde mit Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) zu kämpfen haben. Energiereiches Futter im Überfluss, unzureichende Bewegung und Fettpolster. Das legt jedoch auch den Grundstein für EMS beim Pferd – einer modernen Überflusserkrankung.

Symptome: Krankheitszeichen von EMS bei Pferden

EMS ist keine Erkrankung im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist es ein Komplex unterschiedlicher Symptome. Besonders charakteristisch für EMS ist die Einlagerung von Fett über den Augen, am Mähnenkamm sowie an Nacken, Schultern und Kruppe. Betroffene Pferde wirken (stark) übergewichtig.

Neben diesem Leitsymptom werden jedoch meist noch weitere Krankheitszeichen beobachtet. Je nach Grad der Ausprägung und Symptomkonstellation, unterscheidet sich das Krankheitsbild von EMS bei Pferden mitunter merklich. Folgende Symptome werden häufig beschrieben:

    • Muskelabbau
    • steife Bewegungen
    • stumpfes Fell- und Haarkleid
    • Kotwasser
    • (starkes) Schwitzen
    • vermehrter Flüssigkeitsbedarf
    • vermehrtes Wasserlassen
    • Leistungsverlust
    • steigende Infektionsanfälligkeit
    • Fruchtbarkeitsstörungen bei Stuten
      Der Krankheitsverlauf von EMS beim Pferd variiert. Einhergehend mit einer Insulinresistenz, ist die gesundheitlich meist schwerwiegendste Folgeerkrankung von EMS die Hufrehe.

      EMS beim Pferd vs. PPID / ECS beim Pferd – Was ist der Unterschied?

      Eine Reihe unterschiedlicher Symptome kann auf EMS beim Pferd hindeuten. Allerdings sind viele der Krankheitszeichen zugleich ein Hinweis auf eine ähnliche Erkrankung: Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID), besser bekannt als Equines Cushing Syndrom (ECS). Die Symptome beider Stoffwechselstörungen überlappen sich mitunter. Aus diesem Grund sind EMS und „Cushing“ besonders im frühen Stadium nur schwer unterscheidbar. PPID / ECS ist eine Hormonstörung, die speziell bei älteren Pferden gehäuft auftritt. Aufgrund der Ähnlichkeit beider Erkrankungen solltest du für eine abschließende Diagnose unbedingt eine*n Tierärzt*in konsultieren.

        Definition und Ursachen von EMS beim Pferd

        Einer der häufigsten und zugleich sichtbarsten Auslöser von EMS beim Pferd ist Übergewicht (Adipositas). Die Ursache für Fettleibigkeit ist häufig eine fehlerhafte Fütterung oder eine falsche Haltung des Pferdes mit zu wenig Bewegung. Erst ein Blick in die Physiologie der Pferde gibt Aufschluss über die Prozesse, die den Symptomkomplex hervorrufen können:

      • Nach der Aufnahme stärke- und zuckerhaltiger Futtermittel steigt der Blutzuckerspiegel bei Pferden an. In der Folge schüttet ihr Körper Insulin aus. Das Hormon dient dazu, die Zuckermoleküle (Glucose, Monosaccharide bzw. Einfachzucker) aus dem Blut zu den Organen zu befördern, die Energie benötigen. Dazu zählen Muskeln und Leber, aber auch die Fettdepots. Durch den Abtransport aus dem Blut in die Zellen sinkt der Blutzuckerspiegel wieder ab.
      • Pferde, die über einen längeren Zeitraum zu energiereich gefüttert wurden, entwickeln mit der Zeit Übergewicht und verfetten. Bei ihnen ist das Zusammenspiel von Blutzucker und Insulin empfindlich gestört. Der Grund: Die Fettdepots, die diese Pferde ausgebildet haben, sind kein passives Speichergewebe für Energie. Stattdessen sind sie hormonell aktiv und geben Botenstoffe ab. Diese bewirken, dass die Zellen weniger sensitiv auf Insulin reagieren. In der Folge sinkt der Blutzuckerspiegel nicht im gleichen Maße ab, wie bei gesunden Pferden.
      • Der Organismus dieser Pferde versucht den Blutzucker durch eine vermehrte Produktion von Insulin dennoch zu senken. Das gelingt jedoch häufig nicht. In der Folge entwickeln betroffene Pferde eine Resistenz gegen Insulin. Diese Insulinresistenz ist daher ein deutliches Indiz, das auf EMS hindeutet.
      • Sind bestimmte Pferderassen besonders betroffen?

        Prinzipiell kann jedes Pferd an EMS erkranken. Allerdings gibt es Pferde, die besonders oft am Symptomkomplex leiden. Hierzu zählen Robustpferderassen, wie beispielsweise Islandpferde oder Ponyrassen wie Shetlandponys. Grund hierfür ist, dass diese Rassen vorwiegend energiearmes Futter gewöhnt sind. Gerade sie bedürfen deshalb einer energiearmen Ernährung. 

        Aber auch grundsätzlich leichtfuttrige Pferde, die regelmäßig zu große Futtermengen aufnehmen, sind gefährdet. Kommt bei ihnen Bewegungsmangel und in der Folge Übergewicht hinzu, ist die Diagnose „EMS“ oft nicht weit.

        Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die Therapie übergewichtiger Pferde mit EMS (© Nadine Haase – stock.adobe.com).

        Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die Therapie übergewichtiger Pferde mit EMS (© Nadine Haase – stock.adobe.com).

        Behandlung von EMS beim Pferd

        Die Therapie von Pferden mit EMS zielt vor allem auf Gewichtsabnahme. Dabei hat sich eine Therapie mit zwei Schwerpunkten als besonders effektiv erwiesen:

          1. Umstellung auf eine getreidefreie, stärke- und zuckerreduzierte Fütterung.
          2. Ausreichend Bewegung und regelmäßiges Training.

          Umstellung auf eine getreidefreie, stärke- und zuckerreduzierte Fütterung deines Pferdes

          Die wichtigste Maßnahme bei der Behandlung deines Pferdes mit EMS ist die Anpassung der Fütterung. Du solltest prinzipiell auf eine besonders energiearme und – weitestgehend – stärke- und zuckerarme Ration umstellen. Mithilfe dieser Reduktionsdiät verhinderst du einen unerwünschten Anstieg des Blutzuckerspiegels. Eine getreidearme und damit stärkereduzierte Fütterung (z. B. mit deukavallo Top Gastro) hat sich hier besonders bewährt.


          Achte zugleich auf eine passgenaue Versorgung. Auch EMS-Pferde benötigen mit dem Futter alle lebenswichtigen Vitamine und Mineralstoffe. Energetisch sollte die Ration auf eine Gewichtsreduktion ausgerichtet sein. Erst wenn der Kalorienverbrauch den täglichen Bedarf übersteigt, nehmen Pferde mit der Zeit ab. Ob eine zusätzliche Fütterung mit einem getreidefreien und stärkearmen Krippenfutter zum Raufutter sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Hierfür ist wichtig zu wissen, wie hoch der Energiebedarf für eine Reduktionsdiät deines Pferdes ist. Auch ist es sinnvoll, die Nährwerte und damit das Energieniveau der Heuration genau zu kennen. Eine Laboranalyse deines Heus kann dir bei der Zusammenstellung der Ration helfen. Nutze hierfür die Rabatte unseres Futtermittelanalyse-Tools.

          Egal, welchen Weg ihr geht: Achte in jedem Fall auf eine ausreichende Versorgung deines Pferdes mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen. Gerade bei Diäten kann es ungewollt zu Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen kommen. Zu Sicherung der Versorgung eignet sich die ergänzende Fütterung mit einem ausgewogenen Mineralfutter (z. B. deukavallo Mineral).

          Wichtig: Verhindere unbedingt eine Nulldiät! Pferde reagieren dabei oft aggressiv und mit Futterneid auf einen leeren Trog. Um Randale im Stall bereits zu unterbinden, empfiehlt sich ggf. die Beifütterung geringer Mengen eines getreidefreien sowie stärke- und zuckerreduzierten Müslis mit hohem Strukturanteil (z. B. deukavallo Getreidefrei 21). Ein kompletter Futterentzug kann zudem schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben und Störungen des Fettstoffwechsels (Hyperlipidämie) bis hin zu Organversagen und damit zum Tod des Pferdes führen.

          Ausreichend Bewegung und regelmäßiges Training für dein Pferd

          Ein weiterer Schlüssel zum Abbau von Übergewicht liegt in ausreichender Bewegung. Regelmäßige Ausritte, genügend Auslauf und abwechslungsreiches Training steigern den Energieverbrauch deines Pferdes und wirken so aktiv, mit Fettpolster abzubauen. Passe die Menge und den Umfang eurer Aktivitäten unbedingt an die Ausdauer, das Gewicht und den Gesundheitszustand deines Pferdes an. Vermeide eine Überlastung und zu intensive Arbeit, die den Stoffwechsel deines Pferdes übermäßig belasten. Erst ein angemessener Bewegungsplan, der die Arbeit peu à peu steigert, garantiert einen nachhaltigen Diäterfolg.

          Bespreche deinen Fütterungsplan und die sportlichen Aktivitäten mit deinem Pferd unbedingt mit deiner*m Tierarzt*in, um auf Nummer sicher zu gehen.

          Unser Fazit zu EMS beim Pferd

          • Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist eine Stoffwechselstörung unter der meist übergewichtige Pferde leiden.
          • Zu den wichtigsten Symptomen zählen Fettleibigkeit und auffällige Fettpolster an Mähnenkamm, Nacken, Schultern und Kruppe.
          • EMS ist ein bedeutender Auslöser der lebensbedrohlichen Hufrehe.
          • Die Ursachen für EMS beim Pferd sind Bewegungsmangel und eine übermäßig energiereiche Fütterung.
          • Achte im Rahmen der Behandlung auf eine getreidefreie und damit zucker- und stärkereduzierte Fütterung. Achte zudem auf ausreichend Bewegung und regelmäßiges Training.
          • Stimme deinen Diät- und Bewegungsplan unbedingt mit deiner*m Tierarzt*in ab.

          FAQ – Fragen und Antworten

          Ist EMS bei Pferden heilbar?
          Wird das Equine Metabolische Syndrom (EMS) frühzeitig diagnostiziert, bestehen gute Heilungschancen. Mit viel Bewegung und Umstellung auf eine energiearme Fütterung können viele Pferde mit EMS gut und ohne starke Beschwerden leben. Bedingung ist jedoch, dass dein Pferd noch keine Hufrehe entwickelt hat. Hufrehe ist eine Folgeerkrankung, die vor allem durch EMS hervorgerufen wird und einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann.

          Was tun bei EMS beim Pferd?
          Bei der Behandlung des Equinen Metabolischen Syndroms (EMS) solltest du zunächst die Fütterung deines Pferdes umstellen, und zwar auf eine energiearme, getreidefreie und somit stärkereduzierte Ration. Zudem ist ausreichende Bewegung deines Pferdes Pflicht. Plane hierfür regelmäßige Trainingseinheiten und Ausritte ein. Achte jedoch darauf, dein übergewichtiges Pferd nicht zu überanstrengen.

          Was dürfen EMS Pferde nicht fressen?
          Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) sollten möglichst energiearm fressen. Das erzielst du am besten mithilfe einer zucker- und stärkearmen Fütterung. Die optimale Ration für dein Pferd mit EMS beinhaltet beispielsweise Heu und ein getreidefreies Müsli in genau abgestimmten Mengen oder auch nur ein Mineralfutter. Verzichtet werden sollte hingegen auf Weidegras (zumindest in der Akutphase), Möhren, Äpfel sowie trockenes Brot.

          Wie wird EMS beim Pferd getestet?
          Die Diagnose „EMS“ kann nur der Tierarzt bzw. die Tierärztin stellen. Hierfür bedienen sie sich verschiedener Untersuchungsmethoden wie dem Glukosetoleranztest. Dabei wird deinem Pferd zunächst Blut abgenommen und anschließend im Labor untersucht. Allerdings deuten auch diverse andere Symptome (z. B. Übergewicht und Fettpolster an Mähnenkamm, Nacken, Schultern etc.) auf das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und sollten deshalb umgehend abgeklärt werden.

          Bildquellen

            © Nadine Haase – stock.adobe.com (Top-Slider)
            © Nadine Haase – stock.adobe.com

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